Ratsarbeit 2.0 – SPD in der Vorreiterrolle
In vier Anträgen geht die Aachener SPD erste Schritte in Richtung “Aachen 2.0″. Was vor der Wahl mit einem Antrag zum WLAN “Mobile ACcess” begonnen hat, wird auch nach der Wahl weiter verfolgt. Nicht nur unsere Forderung nach einem Podcast der Ratssitzungen soll die Nutzung moderner Kommunikationsmedien im Umfeld von Rat und Stadtverwaltung stärken. Wir fordern auch den Umstieg der Stadtverwaltung auf Open Source Software und den Verzicht des Versands von Sitzungsunterlagen zugunsten der digitalen Post. Hierzu wird es am Donnerstag eine Pressekonferenz geben. Ich bin gespannt auf das Feedback – aber hier erstmal unsere Anträge zu den verschiedenen Themen:
Audiopodcast
Mobile ACcess
Open Source Software
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die SPD-Fraktion beantragt, im Rat der Stadt Aachen folgenden Beschluss zu fassen:
Die Verwaltung wird beauftragt, einen Sachstandsbericht zum Einsatz von Open Source Software bei der Stadt Aachen zu erarbeiten. Weiterhin soll ein (teilweiser) Umstieg von kommerzieller auf Open Source Software hinsichtlich entstehender und zu vermeidender Kosten überprüft werden.
Hierbei ist insbesondere zu untersuchen, ob bestehende Betriebssysteme und Büroanwendungen ersetzt werden können, ohne langfristige Einschränkungen im Arbeitsablauf zu verursachen. Fachsysteme, die nicht migrierbar sind, sollen hinsichtlich der Emulation benötigter Schnittstellen oder der Nutzung von Terminalserverdiensten getestet werden.
Falls langfristig Einsparungen zu realisieren sind, soll ein Umstgiegskonzept entwickelt werden.
Begründung:
Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Aachen ist es erforderlich, vorhandenes Einsparpotenzial zu nutzen. Insbesondere die Vermeidung von Softwarelizenzkosten kann hierzu einen Beitrag leisten, ohne das städtische Leistungsangebot einzuschränken.
Über den Kostenaspekt hinaus, hat ein möglicher Umstieg auf Open Source Produkte den Vorteil, dass die Stadt Aachen von einzelnen Unternehmen unabhängiger wird und ggf. Erweiterungen oder Anpassungen der Software eigenständig vorgenommen werden könnten.
Zahlreiche Städte wie z.B. München oder Wien oder Parlamentsverwaltungen wie die Französische Nationalversammlung oder der Deutsche Bundestag haben den Umstieg auf Open Source Software bereits durchgeführt. Insbesondere ist es erklärtes Ziel der Landeshauptstadt München, Dritte von ihren Erfahrungen profitieren zu lassen. Für den öffentlichen Bereich wird dazu die entwickelte Software ebenso zur Verfügung gestellt wie detaillierte Migrationsberichte. Aachen sollte als Standort einer Exzellenzuniversität diesem Vorbild folgen und die vielen Vorteile der freien Software nutzen.
Quellen:
Vorreiter der Migration auf Open Source Systeme: http://de.wikipedia.org/wiki/Linux_in_%C3%B6ffentlichen_Einrichtungen
Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Migration: http://de.wikibooks.org/wiki/Open-Source_im_Unternehmen:_Betriebswirtschaftliche_Betrachtung_von_Open-Source-Software
Die Linux-Distribution die in münchen entwickelt wurde (Open Source): http://www.muenchen.de/limux
Machbarkeitsstudie zur Migration der Stadt München: http://www.muenchen.info/pia/clientstudie_kurz.pdf
Nutzung moderner Medien im Ratsbetrieb / Laptops für den Stadtrat
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die SPD-Fraktion beantragt, im Rat der Stadt Aachen folgenden Beschluss zu fassen:
1. Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, ob es im Hinblick auf die Aspekte Arbeitskomfort, Benutzerfreundlichkeit, Transparenz und Kostenersparnis sinn-voll ist, allen Ratsmitgliedern Laptops, Drucker und einen städtischen Email-account zur Verfügung zu stellen, damit der Versand gedruckter Sitzungsunter-lagen und einladungen wegfallen kann. Die Verwaltung soll dabei die Erfah-rungen aus anderen Kommunen, wie z.B. Erfurt, berücksichtigen, die bereits auf einen „papierlosen“ Geschäftsbetrieb umgestellt haben.
2. Um Lizenzkosten zu reduzieren, soll weiter geprüft werden, ob und inwieweit ein Open-Source-Betriebssystem und Software zum Einsatz kommen können. Den Ratsmitgliedern sollen im Rahmen der Systemeinführung eine freiwillige Schulung, persönliche Betreuung und eine technische Hotline angeboten werden. Die beiden Varianten „Kauf“ und „Leasing“ der Hardware sollen alternativ be-trachtet werden.
Begründung:
Die Stadt Aachen hat sich vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, möglichst viele Dienst-leistungen „online“ anzubieten. Es wurde erkannt, dass rechnergestützte Kommu-nikation ein wichtiger Trend ist. Daher bietet die Stadtverwaltung bereits heute alle Unterlagen zu Ausschuss- und Bezirksvertretungssitzungen online an. Das „ALLRIS-System“ war hier ein erster wichtiger Schritt. Der neue Ratssaal verfügt aber über die notwendigen Netzwerkverbindungen, um beispielsweise Präsentationen simultan auf angeschlossene Laptops zu übertragen, in digitalen Ratsvorlagen automatisiert die rich-tigen Seiten zu öffnen oder eine transparente Liste der Wortmeldungen zu führen. Gleichzeitig wäre es den Ratsmitgliedern möglich, während der Sitzung Recherchen durchzuführen oder bei Bedarf über fraktionsinterne Foren eine schnelle Koordinierung durchzuführen.
Die neue Technik würde die politische Arbeit zudem komfortabler und benutzer-freundlicher machen: Der Versand von Sitzungsunterlagen könnte zeitnah und sicher erfolgen. Ratsmitglieder wären über ihre spezielle Emailadresse sicher zu identifizieren und schnell zu erreichen. Zudem würde ein flexibles Abreiten und die zuverlässige Nutzung moderner Kommunikationsstrukturen wie „Mailinglisten“ oder „Wikis“ ermöglicht. Außerdem könnte die Vorbereitung von Anträgen und Anfragen leichter per Email als per Fax/Brief erfolgen. Dokumente, die dringend in gedruckter Form vorliegen müssen, könnten von den Ratsmitgliedern selbstständig ausgedruckt werden. Zu die-sem Zweck können von der Stadt zusätzlich Drucker und Tintenpatronen zur Verfügung gestellt werden. Bereits heute verfügen die meisten Ratsmitglieder über einen Computer und einen Internetzugang. Es sollte jedoch in Zukunft ein genormtes Angebot seitens der Stadt Aachen geben, um allen Rasvertreterinnen und vertretern die Arbeit zu er-leichtern und die Nutzung der modernen EDV während der Rats- und Ausschuss-sitzungen möglich zu machen. Langfristig wird die Nutzung moderner Medien im Umfeld von Ratssitzungen ohnehin unumgänglich werden. Bereits heute birgt sie große Vor-teile. Gerade die Stadt Aachen als Hochtechnologiestandort sollte sich frühzeitig mit den modernen Kommunikationsmitteln identifizieren und sie in die Ratsarbeit integrieren.
Mit freundlichen Grüßen
Heiner Höfken
Fraktionsvorsitzender
Michael Servos
Ratsherr
Herzlich willkommen!



März 9th, 2010 at 12:00
Noch 7-8 Jahre, und die SPD Aachen entdeckt Wikis, Mailinglisten usw…
Erschreckend, dass man sich Selbstverständlichkeiten als Fortschrittsdenken auf die Fahnen schreiben muss. Innovationen in digitalen Leben sehen anders aus als den Ratsherren per persönlicher Hotline das Anklicken des Word-Icons näherzubringen, sorry…
Ein Generationenwechsel würde das Problem effektiver und günstiger lösen.
März 9th, 2010 at 12:01
Gratulation zur Wahrnehmung der Saloon-Fähigkeit politischer Themen der Gegenwart. Wenn auch noch die politischen Themen selbst vollumfänglich wahrgenommen werden… wer weiß… vielleicht ist dann der parteipolitische Anlass dazu überflüssig geworden und hat sich zufrieden aufgelöst… in 20 Jahren oder so.
Viele Grüße,
0mad
März 9th, 2010 at 12:25
@Stefan: Ich will ja nichts sagen, aber Wikis und Mailinglisten stehen doch im vorliegenden Antrag drin. Und dass es sich bei eben diesen Hilfsmitteln für Dich und mich um “Selbstverständlichkeiten” handelt ist schön und gut – dies aber von allen Menschen zu verlangen ist arrogant. Der Rat bildet (so sollte es sein) die Bevölkerung unserer Stadt ab – und ich möchte nicht von allen Menschen verlangen, sich die Nutzung dieser Medien anzueignen. Aber wünschen tue ich es mir schon…
März 11th, 2010 at 02:56
[...] SPD-Fraktion im Aachener Stadtrat will, wie aus dem Blog von Stadtrat Michael Servos hervorgeht, in den kommenden Tagen Ratsvorlagen in den Stadtrat und die Verwaltung einbringen um [...]
März 20th, 2010 at 02:29
Hallo Michael,
wir von der Piratenpartei haben mehrere längliche Blog-Posts als “Antwort” [1,2] verfasst wo du dann Deine Kommentare dazu geschrieben hast. Daher auch mein Post hier.
Aber ich denke diese Art der Kommunikation ist eher kontraproduktiv. Was hälst Du von einem Treffen wo man die Themen diskutieren und auch Sachverhalte direkt im Gespräch klären kann (Nicht nur zum Thema Podcasts)?
Viele Grüße,
Udo Pütz
[1] http://stadtrat.piraten.ac/2010/03/11/open-source-in-der-aachener-verwaltung/
[2] http://www.textheld.de/2010/03/18/spd-aachen-macht-auf-web-2-0/
Mai 18th, 2010 at 22:49
[...] 7 und 8 des Personal- und Verwaltungsausschuss war ich dann doch sehr verwundert. Beide Ratsanträge der SPD zur Ratsarbeit 2.0 wurden von der Verwaltung negativ beschieden und erste Hintergrundgespräche offenbarten schnell, [...]
November 12th, 2010 at 12:05
[...] die Anträge der SPD zur “Ratsarbeit 2.0″ bzw. zur Nutzung von Open Source Software in der Stadtverwaltung zunächst in einen runden Tisch verschoben wurden, stehen sie nun wieder auf der Tagesordnung des [...]
Dezember 15th, 2010 at 10:59
[...] Wir sind keine reine Netzpartei, aber wir sind sicher keine Anti-Netzpartei. Wir haben die Ratsarbeit 2.0 und den Umstieg auf Open Source Software gefordert, wir haben eine Übertragung der Ratssitzungen im Netz gefordert, wir haben den [...]
Januar 20th, 2011 at 22:14
[...] SPD-Fraktion im Aachener Stadtrat will, wie aus dem Blog von Stadtrat Michael Servos hervorgeht, in den kommenden Tagen Ratsvorlagen in den Stadtrat und die Verwaltung einbringen um [...]
Februar 15th, 2011 at 10:29
[...] 23.2.2011 findet im Personal und Verwaltungsausschuss die abschließende Beratung unseres Antrags zur Digitalisierung der Ratsarbeit in Aachen statt. Wir haben damals gefordert, den Versand von Papier vollständig einzustellen und die [...]
August 26th, 2011 at 13:56
[...] hat die Ratsmehrheit den Antrag der SPD-Fraktion von März 2010 abgelehnt und verzichtet somit auf eine immense Kostenersparnis und eine Vereinfachung der [...]
Oktober 29th, 2011 at 18:55
[...] der Vorlage einen großen Schritt getan und dabei auch einen anderen Antrag meiner Fraktion zur Digitalisierung der Ratsarbeit ein Stück weiter getrieben. So werden in Zukunft nur noch die Unterlagen an die Ratsleute [...]